Rückblick: 17. Gerontopsychiatrisches Symposium am 29.10.2025

„Gerontopsychiatrie im häuslichen Umfeld: Schützendes Dach oder wackeliges Fundament?“

Am 29. Oktober 2025 fand in der Akademie des Sports in Hannover das 17. Niedersächsische Gerontopsychiatrische Symposium statt. Unter dem Leitthema „Gerontopsychiatrie im häuslichen Umfeld: Schützendes Dach oder wackeliges Fundament?“ diskutierten Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik über aktuelle Herausforderungen und Chancen der gerontopsychiatrischen Versorgung im häuslichen Kontext. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ältere psychisch erkrankte Menschen bestmöglich in ihrem vertrauten Umfeld begleitet werden können – zwischen Selbstständigkeit, Prävention und professioneller Unterstützung.

Nach der Begrüßung durch Vertreterinnen und Vertreter des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung (Ansgar Piel), des Landesfachbeirats Psychiatrie Niedersachsen (Prof. Dr. Detlef Dietrich), der Selbsthilfegruppe Klöncafé (Monika Reimann, Ines Naylor-Wesemann, Peter Haverkamp) für junge an Demenz Erkrankte sowie der gerontopsychiatrischen Kompetenzzentren (Karoline Adamski und Melissa Braun) eröffnete Karin Nell (Dipl.-Pädagogin, Coach & Biografiearbeiterin) das inhaltliche Programm. In ihrem Beitrag „Caring Community als Basis der häuslichen Versorgung“ zeigte sie auf, wie nachbarschaftliche Netzwerke und solidarische Strukturen zur psychischen Stabilität älterer Menschen beitragen können.

Im Anschluss stand die Gerontopsychiatrische Beratung und Prävention im Mittelpunkt. Jana Haas und Heike Diedrich-Lohrmann (Gesundheitsamt Göttingen) sowie Anja Becker (Landkreis Hildesheim) stellten praxisnahe Projekte und Präventionsansätze vor, die darauf abzielen, ältere Menschen frühzeitig zu erreichen und Unterstützungsangebote niedrigschwellig zugänglich zu machen.

Der Themenblock „Innovative Helfer in der häuslichen Umgebung“ wurde von Carolin Pauly, CEO des Instituts für Universal Design, gestaltet. Sie präsentierte praxisorientierte Ansätze für technische und soziale Innovationen, die den Alltag älterer Menschen erleichtern und Selbstständigkeit fördern.

Nach der Mittagspause führte Vera Kropp (Freie Soziale Dienste Friesland gGmbH) in das Thema „Soziale Teilhabeleistungen und Psychiatrische Pflege“ ein. Sie betonte die Bedeutung der Teilhabeorientierung in der Versorgung älterer Menschen und stellte erprobte Konzepte aus der psychiatrischen Pflegepraxis vor.

Im Beitrag „Therapie im Übergang – flexible Hilfe zwischen Struktur und Selbständigkeit“ gab Dr. Daniela-Anadia Jitaru Einblicke in sektorenübergreifende Behandlungsansätze, die auf individuelle Übergänge und flexible Unterstützungssysteme setzen.

Am Nachmittag beleuchtete Dr. Arnd Hill vom Sozialpsychiatrischen Dienst Region Hannover das Thema „Krisen meistern im häuslichen Umfeld – die Sicht eines sozialpsychiatrischen Dienstes“. Dr. Hill zeigte praxisnah auf, welche Herausforderungen sich im Umgang mit akuten Krisen im häuslichen Umfeld ergeben und wie Kooperationen zwischen ambulanten Diensten, Angehörigen und Hausärztinnen und -ärzten gelingen können.

Den Abschluss bildete Thomas Herzog (HELIOS Park-Klinikum Leipzig) mit dem Vortrag „Gerontopsychiatrie on tour: warum aufsuchende Behandlung nahezu alternativlos ist – multiprofessionell und zwingend gut vernetzt“. Er machte deutlich, dass mobile und aufsuchende Ansätze künftig eine Schlüsselrolle in der psychiatrischen Versorgung älterer Menschen spielen könnten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Sandra Masemann, Trainerin und Theaterpädagogin, die mit szenischen Impulsen die theoretischen Inhalte lebendig und zugänglich gestaltete.

Das Symposium bot erneut eine wertvolle Plattform für Austausch, Vernetzung und fachliche Inspiration. Die Beiträge machten deutlich, dass die gerontopsychiatrische Versorgung im häuslichen Umfeld nicht nur medizinische, sondern vor allem gesellschaftliche und strukturelle Verantwortung bedeutet – und dass stabile Netzwerke, innovative Ansätze und engagierte Akteurinnen und Akteure das Fundament einer zukunftsfähigen Versorgung bilden.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr mit Ihnen!