Arbeitsgruppe (AG) „Netzwerk geschlossene Einrichtungen“

Arbeitsgruppe (AG) „Netzwerk geschlossene Einrichtungen“

Themenhintergrund der AG

Es gibt einen Personenkreis, der in kein Versorgungssystem passt: „Die Menschen, die keine*r haben will“, sogenannte „Systemsprenger*innen“.

Ein Fokus des Caritas Forum Demenz (CFD) sind die gerontopsychiatrisch erkrankten Menschen mit sogenannten herausfordernden Verhaltensweisen, für die es besonders schwer ist, eine individuell angepasste Versorgungsstruktur mit somatischen und psychiatrischen Hilfeangeboten zu finden.

Seit 2017 erhalten alle Pflegebedürftigen auf Grundlage des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind. 1

Da die Module des Begutachtungsinstruments des PSG II psychische und kognitive Beeinträchtigungen stärker fokussieren als vorangegangene Begutachtungsinstrumente, steigt die Anzahl der psychisch beeinträchtigten Menschen im Bereich der Altenhilfe nach SGB XI.

Durch das PSG II wurde außerdem die finanzielle Ausstattung des ambulanten und teilstationären Sektors deutlich verbessert. Somit kommen Menschen mit Pflegegrad später, das heißt, mit ausgeprägtem Pflegebedarf und / oder auffälligen Verhaltensweisen aufgrund psychischer Erkrankungen in die Alten- und Pflegeheime.

Diese Umstände tragen zu einer deutlichen Veränderung der Klientel in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe bei, besonders auffällig ist dies in geschlossenen Einrichtungen.


Entstehung und Geschichte der AG

Bereits 2015 ergriffen vier Mitarbeiter*innen (Holger Geis, Patricia Gorski-Schmidt, Martina Keil, Almut Meyenburg) aus drei geschlossenen Einrichtungen, die auch Mitglieder des Sozialpsychiatrischen Verbundes (SPV) Hannover sind, die Initiative und gingen auf den Psychiatriekoordinator des SPV zu, um ihm die zunehmende Problematik in ihren Einrichtungen zu schildern.

Aus dieser Initiative entstand zunächst die AG „Netzwerk geschlossene Heime“.

Im Rahmen der AG wurde eine Präsentation mit dem Titel „Verändertes Klientel in geschlossenen gerontopsychiatrischen Einrichtungen“ erarbeitet, die dem Arbeitskreis Gemeindepsychiatrie (Plenum des SpV Region Hannover) Mitte 2017 vorgestellt wurde. Das hat der SPV Hannover zum Anlass genommen, dieses Thema mit in den Sozialpsychiatrischen Plan aufzunehmen.

Verzweigte Figuren

Diese Präsentation wurde Ende 2017 auch auf der „Gerontopsychiatrischen Netzwerktagung“ des Caritas Forum Demenz vorgestellt.

Auf der Netzwerktagung zeigte sich, dass auch andere Altenhilfeeinrichtungen – nicht nur in der Region Hannover, sondern niedersachsenweit – mit der Veränderung der Klientel und den damit einhergehenden Problemen konfrontiert sind. Und so erweiterte die AG ihren Teilnehmer*innenkreis und änderte ihren Namen zu: „Netzwerk geschlossene Einrichtungen“.

Das Caritas Forum Demenz leitet die AG seither niedersachsenweit.

Im weiteren Verlauf verfassten die Mitarbeiter*innen der drei Einrichtungen den Text „Veränderungen der Klientel in geschlossenen gerontopsychiatrischen Einrichtungen – Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen“, der im Sozialpsychiatrischen Plan 2018 für den SPV Hannover veröffentlicht wurde und im weiteren Verlauf passagenweise zitiert wird.

Im Jahr 2020 wurde bei der „Loccumer Psychiatrietagung“ der Vortrag „Anders und mehr“ gehalten, in dem die oben genannte Problematik nochmals dargestellt wurde mit der Forderung eines „Runden Tisches“ mit allen zu diesem Thema relevanten Akteur*innen aus den Bereichen der Anbieter, Kostenträger, Leistungserbringern, Land und Kommune sowie Politik, angedockt an den Landesfachbeirat (LFBN).


Arbeitsinhalte

Die von der AG „Netzwerk geschlossene Einrichtungen“ herausgearbeiteten Themenfelder lauten:

  • Ein Auge auf die „Menschen, die keine*r haben will“
    • Öffentlichkeitsarbeit
    • Die Probleme benennen
    • Umsetzung des Landespsychiatrieplanes
  • Zielgruppenentsprechende Aus- und Fortbildungen
    • Fachweiterbildungen und -fortbildungen
    • Regelmäßige Supervisionen und Fallanalysen
    • Verpflichtend und refinanzierbar
  • Angemessene Personalschlüssel für multiprofessionelle Teams
    • Aber: Finanzierung darf nicht zu Lasten der Betroffenen und deren Angehörigen gehen
    • Durchlässigkeit und / oder Kombination mehrerer SGB-Leistungen
  • Verbindliche Zusammenarbeit zwischen den gerontopsychiatrischen Akteur*innen zum Wohl der Betroffenen
    • Transparenz und Ehrlichkeit
    • Verbessertes und refinanziertes Case Management

Aktueller Themenschwerpunkt

Die AG plant – in Zusammenarbeit mit der AG „Gerontopsychiatrie“ des LFBPN – eine niedersachsenweite Datenerhebung der vorhandenen Heimplätze. Der Fokus liegt hierbei auf geschlossenen / geschützten Bereichen.

Das Ziel dieser Datenerhebung ist die verbesserte gegenseitige Unterstützung und Vernetzung der Heime. Dazu wird perspektivisch ein Katalog mit allen (von den Einrichtungen freiwillig) erhobenen Daten auf den Seiten der gerontopsychiatrischen Kompetenzzentren (CFD und KoGeBe) veröffentlicht.

Sobald der Fragebogen der Datenerhebung erstellt worden ist, finden Sie ihn hier. Sind Sie Mitarbeiter*in einer Pflegeeinrichtung, würden wir uns über eine Teilnahme an der Datenerhebung freuen!


Wollen Sie in der AG mitarbeiten?

Dann melden Sie sich gerne bei Lucie Hüttermann an.

Lucie Hüttermann
Referentin
Telefon: +49 511 700 207 36
Mobil: +49 151 580 75006
E-Mail: lucie.huettermann@caritas-hannover.de

Fußnoten

  1. vgl. Bundesministerium für Gesundheit. 2017: Zweites Pflegestärkungsgesetz (PSG II)