Eine fotografische Langzeitdokumentation von Anton Vester
Es gibt Diagnosen, die einen Menschen treffen, und solche, die ein ganzes Gefüge erschüttern. Eine Demenz gehört zu den zweiten. Sie schreibt sich nicht nur in ein Gedächtnis ein, sondern in Küchentische und gemeinsame Abende, in Telefonate mit den Kindern, in das stille Einverständnis zweier Menschen, die einander seit Jahrzehnten kennen und sich nun neu begegnen müssen.
Genau dorthin, in diesen Zwischenraum, richtet der Fotograf Anton Vester seinen Blick. Ein Jahr lang, vom Sommer 2025 bis zum Sommer 2026, war er regelmäßig Gast einer Gruppe für Menschen mit Frühdemenz in der Beratungs- und Begegnungsstelle Lindenbaum des Caritasverbandes Hannover. Der Lindenbaum ist ein Ort, an dem Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen und ihre Angehörigen Rat, Begleitung und Gemeinschaft finden. Unter der Leitung von Monika Reimann treffen sich hier jüngere Betroffene, die einander zuhören, sich stärken und gemeinsam Halt suchen. Ohne das Vertrauen, das die Gruppe und Monika Reimann dem Fotografen entgegengebracht haben, wäre diese Arbeit kaum denkbar. Ines, Klaus, Peter und Guido haben ihm ihre Türen geöffnet und mit ihnen einen Alltag, der selten gezeigt wird.
Denn die Demenz in jüngeren Jahren ist eine leise Wirklichkeit. Weit über 100.000 Menschen unter 65 leben in Deutschland mit ihr, und oft vergeht viel Zeit, bis sie erkannt wird. Zu leicht wird sie verwechselt mit Burnout, mit Depression, mit der Erschöpfung eines fordernden Berufslebens. Ist die Diagnose gestellt, verschieben sich die Gewichte: Partnerschaften geraten unter Druck, Rollen in der Familie ordnen sich neu, und die Fragen nach Nähe und Abschied werden zu Begleitern jedes Tages.
Vesters Arbeit verschweigt diese Last nicht. Doch sie bleibt nicht bei ihr stehen. Mit großer Behutsamkeit zeigt sie, wie die vier ihre Würde behaupten, wie sie ihre Selbstbestimmung verteidigen, wie sie Wege finden, die eigene Geschichte weiterzuerzählen. Fotografien und Porträts, Videosequenzen, handgeschriebene Texte und Gesprächsausschnitte fügen sich zu einem vielstimmigen Ganzen, zu einem Werk, das nicht über Menschen mit Demenz spricht, sondern mit ihnen.
Anton Vester, Jahrgang 1996, war Polizist, bevor er 2021 das Studium Visual Journalism and Documentary Photography an der Hochschule Hannover aufnahm. 2024 erhielt er den VGH Fotopreis für seine Arbeit «Ohnmächtige Stille». «Demenz in Beziehung» entstand in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Hannover und wird von der CaritasStiftung Hannover gefördert.
Wer diese Bilder betrachtet, sieht mehr als eine Erkrankung. Man sieht Umarmungen, Blicke, geteilte Stille – und Menschen, die füreinander da bleiben.
Ausstellung «Demenz in Beziehung»
22.09. bis 12.10.2026, Eintritt frei
Outdoorausstellung: Leibnizufer, Höhe Schloßstraße, Hannover (jederzeit zugänglich)
ka:punkt: Grupenstraße 8, 30159 Hannover (Di–Fr, 12–17 Uhr)
Foto: Anton Vester
Eine fotografische Langzeitdokumentation von Anton Vester
Es gibt Diagnosen, die einen Menschen treffen, und solche, die ein ganzes Gefüge erschüttern. Eine Demenz gehört zu den zweiten. Sie schreibt sich nicht nur in ein Gedächtnis ein, sondern in Küchentische und gemeinsame Abende, in Telefonate mit den Kindern, in das stille Einverständnis zweier Menschen, die einander seit Jahrzehnten kennen und sich nun neu begegnen müssen.
Genau dorthin, in diesen Zwischenraum, richtet der Fotograf Anton Vester seinen Blick. Ein Jahr lang, vom Sommer 2025 bis zum Sommer 2026, war er regelmäßig Gast einer Gruppe für Menschen mit Frühdemenz in der Beratungs- und Begegnungsstelle Lindenbaum des Caritasverbandes Hannover. Der Lindenbaum ist ein Ort, an dem Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen und ihre Angehörigen Rat, Begleitung und Gemeinschaft finden. Unter der Leitung von Monika Reimann treffen sich hier jüngere Betroffene, die einander zuhören, sich stärken und gemeinsam Halt suchen. Ohne das Vertrauen, das die Gruppe und Monika Reimann dem Fotografen entgegengebracht haben, wäre diese Arbeit kaum denkbar. Ines, Klaus, Peter und Guido haben ihm ihre Türen geöffnet und mit ihnen einen Alltag, der selten gezeigt wird.
Denn die Demenz in jüngeren Jahren ist eine leise Wirklichkeit. Weit über 100.000 Menschen unter 65 leben in Deutschland mit ihr, und oft vergeht viel Zeit, bis sie erkannt wird. Zu leicht wird sie verwechselt mit Burnout, mit Depression, mit der Erschöpfung eines fordernden Berufslebens. Ist die Diagnose gestellt, verschieben sich die Gewichte: Partnerschaften geraten unter Druck, Rollen in der Familie ordnen sich neu, und die Fragen nach Nähe und Abschied werden zu Begleitern jedes Tages.
Vesters Arbeit verschweigt diese Last nicht. Doch sie bleibt nicht bei ihr stehen. Mit großer Behutsamkeit zeigt sie, wie die vier ihre Würde behaupten, wie sie ihre Selbstbestimmung verteidigen, wie sie Wege finden, die eigene Geschichte weiterzuerzählen. Fotografien und Porträts, Videosequenzen, handgeschriebene Texte und Gesprächsausschnitte fügen sich zu einem vielstimmigen Ganzen, zu einem Werk, das nicht über Menschen mit Demenz spricht, sondern mit ihnen.
Anton Vester, Jahrgang 1996, war Polizist, bevor er 2021 das Studium Visual Journalism and Documentary Photography an der Hochschule Hannover aufnahm. 2024 erhielt er den VGH Fotopreis für seine Arbeit «Ohnmächtige Stille». «Demenz in Beziehung» entstand in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Hannover und wird von der CaritasStiftung Hannover gefördert.
Wer diese Bilder betrachtet, sieht mehr als eine Erkrankung. Man sieht Umarmungen, Blicke, geteilte Stille – und Menschen, die füreinander da bleiben.
Ausstellung «Demenz in Beziehung»
22.09. bis 12.10.2026, Eintritt frei
Outdoorausstellung: Leibnizufer, Höhe Schloßstraße, Hannover (jederzeit zugänglich)
ka:punkt: Grupenstraße 8, 30159 Hannover (Di–Fr, 12–17 Uhr)
Foto: Anton Vester